CfP zur 6. Kommissions-Tagung „Tun und Lassen. Verzicht zwischen Nachhaltigkeitspolitik und spiritueller Sinnsuche“

Tun und Lassen

Verzicht zwischen Nachhaltigkeitspolitik und spiritueller Sinnsuche

6. Tagung der Kommission für Religiosität und Spiritualität in der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft (DGEKW)
2. bis 4. November 2023, Universität Freiburg

Call for Papers

Vor dem Hintergrund der aktuellen Mehrfachkrise (Pandemie und Lieferengpässe, Ukraine-Krieg, Klimawandel) ist Verzicht ein präsentes Thema geworden. Um etwa den Energiebedarf zu senken, soll – bereits heute oder schon bald – auf alltäglich Selbstverständliches wie eine Raumtemperatur von 24 Grad oder die heiße Dusche verzichtet werden.
Genügsamkeit, Suffizienz, Sparsamkeit oder Konsumverzicht sind gegenwärtig populäre Praktiken und Konzepte, zugleich schließen sie aber auch religions- und kulturhistorisch an traditionsreiche Praktiken der Askese mit spiritueller Lagerung an: Die Idee der individuellen Selbstrücknahme zugunsten eines größeren, übergeordneten oder „höheren“ Anliegens. Vielfältige Formen der mehr oder weniger freiwilligen Selbstbeschränkung, wie sexuelle Enthaltsamkeit, Besitzlosigkeit, Gehorsam, Spendenbereitschaft oder Fasten sind in religiösen Kontexten als spirituell oder ethisch positiv gerahmte Praktiken sowohl propagiert als auch problematisiert worden. Sie weisen jedenfalls weit zurückreichende kulturgeschichtliche Situierungen auf und sind – so eine Ausgangshypothese der geplanten Tagung – in gegenwärtigen Reduktionsdiskursen weiterhin in unterschiedlichem Ausmaß wirksam. Inwiefern kann von säkularen Spiritualitätspraktiken der Sinnsuche gesprochen werden, wenn Menschen heute radikal ihre Ernährung, ihr Mobilitäts- oder Konsumverhalten einschränken? Oder geht es hier überhaupt nicht um spirituelle, sondern ausschließlich um konkrete politische und allenfalls ethische Anliegen?

Bezüge zum Verzicht bewegen sich in einem spannungsreichen Spektrum: Am einen Ende erscheint Verzicht als pragmatische Reaktion auf Sachzwänge. Er ist hier negativ konnotiert und erfolgt eher gezwungenermaßen, zähneknirschend und widerwillig aus der Einsicht in die Notwendigkeit heraus. Am anderen Ende des Spektrums ermöglicht Verzicht, sich höheren Sinndimensionen zu öffnen und sich als Teil eines größeren Ganzen zu erleben. Verzicht ist dann positiv konnotiert und mehr als eine pragmatische Reaktion. Ideen der Selbstrücknahme und Praktiken des Verzichts können innerhalb dieses Spektrums beschrieben und eingeordnet werden.

Die 6. Arbeitstagung der DGEKW-Kommission „Religiosität und Spiritualität“ im November 2023 möchte diese Gemengelage unterschiedlicher Motivationen für und Funktionen von Verzicht im Spannungsverhältnis religiös-spiritueller und säkularer Diskurse und Praktiken kulturwissenschaftlich aufgreifen und diskutieren. Dazu soll der Niederschlag traditioneller religiöser Vorstellungen in gegenwärtigen Verzichtspraktiken ebenso thematisiert werden wie Neukonfigurationen des Selbstbeschränkungsethos jenseits traditioneller religiöser Bestimmungen.
Ein Ziel der Tagung ist es, aktuelle kulturwissenschaftliche Beobachtungen und Fragestellungen zu den hier aufgerufenen Imperativen der Sinnstiftung mit Überlegungen zu religionsgeschichtlichen oder weltanschaulichen Bezügen in Korrespondenz zu bringen und damit auch die Potenziale eines kulturwissenschaftlich geweiteten Spiritualitätsbegriffs empirisch fundiert auszuloten.

Wir laden Beiträge ein, die es ermöglichen, das Forschungsfeld sowohl gegenwartsbezogen als auch historisch argumentierend zu kartieren und Figurationen des Verzichts in unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Kontexten zu beleuchten.

Mögliche inhaltliche Felder sind:

  • Phänomene, Kontexte, Praktiken: Fastenpraktiken, reduktive Ernährungsformen, Meditations- und Körperpraktiken, voluntary simplicity, Minimalismus, sharing-Praktiken, Medienverzicht/digital detox, Einkommensreduktion und drei/vier-Tage-Woche, KonMari-Methode, simplify-Bewegung, Zero waste, Tiny Houses, Subsistenzwirtschaft, terrane Mobilität…
  • Akteur:innen und Felder: populärwissenschaftlich: Ratgeber, Life Coaches; religiös-spirituelle Gemeinschaften und Institutionen; politische und wissenschaftliche Akteur:innen und Institutionen; verschiedene Vergemeinschaftungsformen z.B. Szenen, Social-Media-Gruppen, Stammtische und kollektive Wohnprojekte…
  • Begründungen, Diskursivierungen und Implikationen: Zeitwohlstand, Heil- oder Sinnsuche, Postwachstumsdebatte, Nachhaltigkeitsdiskurs, Alltagsspiritualität, Gesundheits- und Achtsamkeitsdiskurse…
  • Funktionen, Traditionen, Kontinuitäten und Brüche: Verzicht als epistemologische Praxis, als Herausforderung und Entbehrung, als Tauschbeziehung, als Identitäts- und Sinnstiftung, als religiös inspirierte Praxis, als Ausdruck von Protest…

Wir freuen uns über Vorschläge für Tagungsvorträge (25 Minuten plus Diskussion) bis zum 15. Januar 2023 in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter) und einer kurzen biografischen Notiz an verzicht@kaee.uni-freiburg.de. Wir bitten im Abstract auch um kurze Angaben zu Kontext und Materialgrundlage des vorgeschlagenen Beitrags. Bei den Vorträgen soll es sich um empirisch fundierte und unveröffentlichte Beiträge handeln.

Zeitplan:
Frist für Einreichungen: 15.01.2023
Auswahl und Rückmeldung: bis 31.03.2023
Bekanntgabe des Tagungsprogramms im Frühsommer 2023
Tagung: 2. – 4.11.2023

Eine Publikation der Beiträge als Tagungsband ist für Ende 2024/Anfang 2025 geplant.

Die Tagung wird organisiert von Timo Heimerdinger, Hannah Kanz und Inga Wilke.

Kontakt:
Prof. Dr. Timo Heimerdinger
Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
Universität Freiburg
Maximilianstr. 15
79100 Freiburg

Tel.: 0761 20397626
E-Mail: timo.heimerdinger@kaee.uni-freiburg.de
https://www.kaee.uni-freiburg.de/

Werbung

5. Tagung vom 11. bis 12. Juni 2021 (online)

„Die Kirche im Dorf lassen …“?
Zur Bedeutung von Religiosität und Spiritualität im ländlichen Raum

11. bis 12. Juni 2021 | digitale Tagung

Anmeldung (bis zum 9. Juni) unter https://bit.ly/32xNRJh

Tagungsorganisation
Christine Bischoff (Universität Kiel) und Mirko Uhlig (Universität Mainz)
in Zusammenarbeit mit dem LVR-Freilichtmuseum Kommern (Mechernich)



„Nur in der Stadt kannst du rein religiös sein“, behauptete der Ethnologe Werner Schiffauer 2011 in einem Gespräch mit dem katholischen Priester Leo Penta.[i] Schiffauer äußerte damit die Vermutung, dass nur die Stadt genügend sozialen und kulturellen Freiraum zur Gestaltung ganz eigener Vorstellungen des Religiösen wie Spirituellen biete, die lediglich dort mit Gleichgesinnten umgesetzt werden könnten. „Auf dem Dorf“ sei Religion dagegen immer stärker in soziale Lebenszusammenhänge eingebettet und tendenziell gesellschaftlichen Repressionen unterworfen. Dieser Stoßrichtung einer behaupteten größeren Vielfalt des Religiösen und Spirituellen im urbanen Raum folgten seither thematisch einschlägige Tagungen und Publikationen.[ii] Religiöse und spirituelle Transformationsprozesse im ländlichen, nicht selten als peripher wahrgenommenen Raum gerieten dagegen in den letzten Jahren etwas aus dem Fokus der kulturanthropologischen Forschung.

Die Mehrfachnutzung und Umwidmung sakraler Bauten, unerwartete interreligiöse Zusammenarbeiten und Allianzen, die bewusste Ansiedlung religiöser Gemeinschaften, die historische Bedeutung des „Landjudentums“, die Anwendung alternativ-spiritueller Kulturtechniken, die Präsenz neureligiöser und neuheidnischer Bewegungen sowie hybrider Formen des Religiösen und die generelle Bedeutung religiöser Institutionen als zivilgesellschaftliche Akteure zeigen, inwiefern der ländliche Raum mitnichten lediglich ein Hort von Bewahrung und Beharrung ist. Vielmehr finden wir auch hier Möglichkeitsräume religiös-spiritueller Hoffnungen und Fragen vor, Orte religiöser Auf- und Umbrüche sowie der Diversität. Die Suche nach und das Entdecken von Entschleunigung, innerer Zufriedenheit und neuer Kreativität stellen zwar einerseits Topoi dar, die gerade im ländlichen Kontext befördert werden. Allerdings motivieren und provozieren sie andererseits vielfältige religiöse und spirituelle Sinnentwürfe, Lebensstile und Topographien, die einer dichten Beschreibung und differenzierten Kulturanalyse bedürfen. Um einer Reproduktion romantischer Stereotype vorzubeugen, darf dabei natürlich nicht übersehen werden, dass die ländlich geprägten Regionen Europas trotz etwaiger politischer Förderlinien mitunter schwer mit den Folgen des demografischen Wandels und infrastrukturellen Defiziten zu kämpfen haben – was sich u.a. im Zustand der religiösen Institutionen widerspiegelt. Diesen Aspekten soll auf der fünften Tagung der Kommission für Religiosität und Spiritualität in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in historischer wie gegenwartsorientierter Perspektive nachgegangen werden.

Folgende Forschungsfragen für diese Auseinandersetzung mit Religiosität und Spiritualität im ländlichen Raum können leitend sein:

  1. Wie zeigt sich die religiös-spirituelle Diversität im ländlichen Raum? Insbesondere sei hier an Entwicklungen etwa im Zuge von Prozessen der (Binnen-)Migration gedacht, die eben nicht nur im urbanen, sondern auch im ländlichen Raum stattfinden. Welche Konsequenzen haben diese Prozesse für dort bereits etablierte und neu hinzukommende religiöse Gemeinschaften und deren Mit-, Neben- und auch Gegeneinander? Welche interreligiösen Kontakte und Konflikte, Praktiken der religiös-spirituellen Beheimatung und Auswirkungen auf das Erscheinungsbild von Gemeinden gibt es?
  2. Welche Rolle spielen religiös-spirituelle Einrichtungen und Bewegungen, aber auch individuelle AkteurInnen bei der Wahrnehmung zivilgesellschaftlicher Aufgaben bzw. bei der Organisation, Motivation und Umsetzung bürgerschaftlichen Engagements im sozialen, politischen und kulturellen Bereich?
  3. Welche materiellen Spuren (Architektur, Um- und Neunutzungen, museal-sakrale Dokumentation etc.) hinterlassen religiös-spirituelle Transformations- und Differenzierungsprozesse?
  4. Wo beginnt das Ländliche überhaupt und welche Auswirkungen und Bedeutungen haben diese meist unscharfen Definitionsversuche sowie terminologischen und semantischen Unsicherheiten auf die religiös-spirituelle Vielfalt? Verstärken sie die Grenzen zwischen religiösen Gemeinschaften oder eröffnen sie ganz neue Gestaltungsspielräume? Und wie werden diese lokal genutzt und ausgehandelt?
  5. Welche spezifischen Qualitäten, Wertzuschreibungen, Atmosphären und Imaginationen gehen mit der Verbindung Religiosität/Spiritualität und Ländlichkeit einher (z. B. medial, politisch, sozial)? Welche Bilder und Narrative stehen hierfür zur Verfügung bzw. werden tradiert oder bewusst konterkariert? Welche kulturellen Wertehaltungen und Bedürfnislagen spiegeln sich darin und auf welche historischen Tradierungen in Bildern und Narrativen wird wie und aus welchen Gründen zurückgegriffen?

Ziel ist der interdisziplinäre Austausch zwischen etablierten WissenschaftlerInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen, aber auch PraktikerInnen etwa im religiös-spirituellen und musealen Bereich. Geplant ist die Publikation von ausgewählten Vorträgen.


[i] Vgl. Leo Penta/Werner Schiffauer: „Nur in der Stadt kannst du rein religiös sein.“ Ein Gespräch über Politik und Praktiken religiöser Gemeinschaften in Berlin. In: metroZones (Hg.): Urban Prayers. Neue religiöse Bewegungen in der globalen Stadt. Hamburg/Berlin 2011, S. 249–270, S. 268.

[ii] Vgl. beispielsweise die Tagung „Religion in Urban Spaces“ am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie in Göttingen vom 9. bis 11. April 2014 oder folgende Publikation: Christopher Zarnow, Birgit Klostermeier, Rüdiger Sachau (Hg.): Religion in der Stadt. Räumliche Konfigurationen und theologische Deutungen. Berlin 2018.


Bildnachweis: Diasporakapelle aus Overath von 1951 im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Notkirche des Architekten Otto Bartning aus dem Notkirchenprogramm des Evangelischen Hilfswerks. Foto: Hans-Theo Gerhards/LVR

Der Tagungsband zur 4. Tagung ist erschienen!

Im Waxmann Verlag ist nun die Dokumentation der 4. Tagung (2018 in Mainz) erschienen.

Uhlig, Mirko & Conte, Dominique (Hg.)
Recht gläubig? Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von Religion und rechtlicher Normierung im Alltag
(Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, Bd. 19)
Münster/New York 2020: Waxmann, 186 S.

Im Fokus der Aufsätze steht die interdisziplinäre Reflexion des Verhältnisses von religiösen/spirituellen Praktiken und unterschiedlichen Rechtsordnungen sowie popularen Vorstellungen von Recht und Rechtsprechung in alltäglichen Aushandlungszusammenhängen. Anhand konkreter Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart wird diesem komplexen Beziehungsgeflecht nachgegangen.

Der Sammelband vereint Beiträge aus Ethnologie, Germanistik, Islamwissenschaft, Jura, Religionswissenschaft, Soziologie sowie Kulturanthropologie/Volkskunde. Die Texte stammen von Sarah Armbruster, Wolfgang Brückner, Hatem Elliesie, Juliane Kanitz, Petra Klug, Ingrid Lemberg, Andrea Nicolas, Stefan Schröder, Barbara Sieferle, Robert Suckro und Mirko Uhlig.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite unter: http://www.waxmann.com/buch4096

Der Tagungsband zur 3. Tagung ist erschienen!

Im Waxmann Verlag ist nun die Dokumentation der dritten Tagung der Kommission für Religiosität und Spiritualität in der dgv erschienen.

Aka_Prediger_2018

Christine Aka & Dagmar Hänel (Hg.)
Prediger, Charismatiker, Berufene.
Rolle und Einfluss religiöser Virtuosen

Mit Beiträgen von
Christine Aka, Jürgen Bärsch, Christine Bischoff, Benedikt Brunner, Melanie Denzinger, Vera Faßhauer, Sönke Friedreich, Dagmar Hänel, Gašper Mithans, Jochen Ramming, Inga Scharf da Silva, Mirko Uhlig, Joachim Werz, Jörg Widmaier

Fast alle religiösen/spirituellen Kulturen entwickeln Konzepte von religiösen Virtuosen wie Propheten, Priesterinnen, Predigern oder Heilerinnen. Gleichzeitig sind diese Rollen zentrale Initiatoren von Entwicklungsprozessen in und von religiösen Konzepten. Sowohl in historischen als auch gegenwärtigen Kontexten haben religiöse Virtuosen und deren Rollenzuschreibungen eine weit über das Spirituelle hinausgehende Bedeutung, geht es doch zusätzlich um Macht, Werte- und Wissenssysteme, Institutionalisierungen und soziale wie kulturelle Distinktionen.

2018, 252 Seiten, broschiert, mit zahlreichen Abbildungen,
29,90 €, ISBN 978-3-8309-3668-8

Zur Verlagsseite …

 

Programm der 4. Tagung

Recht gläubig?

Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von
Religion und rechtlicher Normierung im Alltag
Donnerstag, 13. September 2018

16.00   Empfang
17.00   Recht gläubig? Begrüßung durch die Veranstalter
17.15    Andrea Nicolas (Berlin): Heiligkeit und Respekt – Ist das Gesetz eine Form von Religion? Oder ist Religion Gesetz?
18.15    Serdar Kurnaz (Hamburg): Averroes’ Rechtsverständnis als Möglichkeit der Aktualisierung islamischer Normativität
19.30   Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen (Campus JGU Mainz)

Freitag, 14. September 2018

09.00   Hatem Elliesie & Sarah Armbruster (Halle/Münster): Schächten auf dem rechts- und                    islamwissenschaftlichen Prüfstand muslimischer Lebenswelten in Deutschland
10.00   Christoph Günther (Mainz): Der ikonische Sozioklasmus des Islamischen Staates:
Das Zerschmettern von Idolen und der Anbruch einer neuen sozialen Ordnung
11.00    Pause
11.15     Wolfgang Brückner (Würzburg): Lutherische Orthodoxie und kulturwissenschaftliche Forschungen
12.15    Joachim Werz & Christian Witt (Tübingen/Mainz): Marginalisierung durch Historiographie. Die Kategorie „Orthodoxie“ in der katholischen und in der protestantischen  Kirchengeschichtsschreibung
13.15    Mittagspause
14.45    Barbara Sieferle (Freiburg i. Br.): Zwischen Norm und Abweichung. Zur Herstellung kultureller Ordnungen des Pilgerns
15.45    Stefan Schröder (Bayreuth): Atheistisch-humanistische Weltanschauungsgemeinschaften und deutsches Staatskirchenrecht
16.45    Pause mit Kaffee und Kuchen
17.15     Ingrid Lemberg (Heidelberg): Der Gottesbezug in historischen Rechtstexten
19.15     Kommissionstreffen und Möglichkeit zum gemeinsamen Abendessen

Samstag, 15. September 2018

10.00    Juliane Kanitz (Heidelberg): Über das schwierige Verhältnis von Stadtplanungsrecht und demokratischen Beteiligungsstrukturen
11.00     Petra Klug (Bremen): Das Paradox der Kulturen. Religiöse Geschlechternormen und ihre dreifache Herausforderung an die universalen Menschenrechte
12.00     Mittagspause
12.30     Robert Suckro (Münster): „Die Rita ist, das All wird!“ – Zur Einheit von Recht und Religion in Guido von Lists Konstruktion „arischer“ Urreligion
13.30     Tagungsabschluss

+ + +

Veranstalter: Mirko Uhlig (uhlig@uni-mainz.de) & Dominique Conte (conte@uni-mainz.de); IFTeK, Fach Kulturanthropologie/Volkskunde JGU Mainz

Die Veranstaltung findet statt im Fakultätssaal des FB 05,
Jakob-Welder-Weg 18; die Tagung ist öffentlich, ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben.

In Kooperation mit der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz e. V., dem Zentrum für interdisziplinäre Forensik (ZiF) der JGU Mainz sowie der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)

 

CfP zur 4. Kommissions-Tagung „Recht gläubig?“ 2018

Recht gläubig?

Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von Religion und rechtlicher Normierung im Alltag

4. Tagung der Kommission für Religiosität und Spiritualität in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)
13. bis 15. September 2018, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Call for Papers

Im Fokus der vierten Tagung der Kommission für Religiosität und Spiritualität (dgv) steht das Verhältnis von Religion/Religiosität/Spiritualität und Recht im Alltag. Der zugrundeliegende Rechtsbegriff ist dabei ein weiter und fasst sowohl „geschriebenes“ gesetztes als auch „ungeschriebenes“ Recht. Anhand konkreter Beispiele aus Vergangenheit wie Gegenwart soll den Bezugs- und Spannungsfeldern von institutionalisierten „geltenden Rechten“ (staatlichen, überstaatlichen, kirchlichen, religionsspezifischen Gesetzen und deren Auslegungen) sowie popularen bzw. lokalen Vorstellungen von Recht und Rechtsempfinden (Stichwort „Rechtspluralismus“) und religiösen bzw. spirituellen Praktiken nachgegangen werden. Nicht zuletzt zeigen sich diese Bezugs- und Spannungsfelder auch in gesellschaftlichen Diskursen darüber.

Der thematische Zuschnitt ist motiviert durch die Beobachtung, dass der Komplex Recht und Alltagskultur in der deutschsprachigen Forschungslandschaft momentan auffallend wenig Beachtung findet. Im Rahmen von themennahen Projekten, wie sie etwa am Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“ (Bonn) oder am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Halle) realisiert werden, stehen vorrangig größere gesellschaftliche Prozesse und Strukturen im Vordergrund – die alltagskulturelle Mikrodimension wird allerdings weniger berücksichtigt. Das derzeitige Nischendasein einer Rechtsanthropologie mag irritieren, haben ältere Bemühungen seitens der Rechtlichen Volkskunde und der Rechtsethnologie doch aufzeigen können, wie fruchtbar diese Perspektive für die Kulturanalyse im Allgemeinen und die Deutung religiöser und spiritueller Phänomene im Besonderen sein kann; erinnert sei allein an die einschlägigen Arbeiten von Karl-S. Kramer, Rüdiger Schott sowie Keebet und Franz von Benda-Beckmann. Die Tagung eröffnet damit auch die Möglichkeit, einerseits bislang eher wenig beforschte Felder der Kulturwissenschaften entdecken zu können, andererseits aber auch scheinbar „überforschten“ Gebieten neue erkenntniserweiternde Facetten abzugewinnen.

Folgende Themen könnten in den Vorträgen behandelt werden:
– Legitimationsstrategien religiöser und spiritueller Praxen
– symbolische, rituelle und materielle Repräsentation (Bräuche etc.)
– Kontrolle, Macht und Sanktion in religiösen und spirituellen Kontexten
– Kontroversen um Rechtgläubigkeit
– (geltende) Rechtspraxis und ethnographisches Wissen
– gesellschaftliche Normdiskurse (z.B. Religionsfreiheit etc.)
– Diversität von Rechtssphären
– Devianz/Widerstand

Eine kulturwissenschaftliche Perspektivierung rückt die handelnden Akteure ins Zentrum des Erkenntnisinteresses und empfiehlt für differenzierte Portraits und Deutungen eher ethnographisch ausgerichtete mikroanalytische Vorgehensweisen. Doch sollen sich auch Forscherinnen und Forscher angesprochen und zur Teilnahme an der Tagung ermutigt fühlen, die aus anderen disziplinären Blickwinkeln und mit anderem methodischen und theoretischen Rüstzeug der „gesellschaftlichen Wirkung von Recht“ (Benda-Beckmann 2007) nachspüren. Ein interdisziplinärer Gedankenaustausch ist somit ausdrücklich erwünscht. Die Tagung bietet die Möglichkeit, laufende Projekte und bislang nicht publizierte Forschungen vorzustellen. Neben einer thematischen Vielfalt sollen auch unterschiedliche Zugänge zu produktiven Diskussionen über die Potentiale und Probleme der Erforschung religiöser/spiritueller Phänomene im Alltag anregen.

Wir bitten um Zusendung eines Abstracts (ca. 2.000 Zeichen) und eines kurzen CV bis zum 01.02.2018 an Mirko Uhlig (uhlig@uni-mainz.de) und Dominique Conte (conte@uni-mainz.de). Eine Publikation der Beiträge in Buchform ist vorgesehen.

Kontakt:
Prof. Dr. Mirko Uhlig
Juniorprofessor für Kulturanthropologie/Volkskunde
FB 05, Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophicum II; Raum 02-305
55099 Mainz

Tel.: 06131-3925129
E-Mail: uhlig@uni-mainz.de
http://www.kulturtheaterfilm.uni-mainz.de

Nächstes Treffen der Kommission

Im Rahmen des 41. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) trifft sich die Kommission am 21.9. (Do.) von 13.45 bis 15.15 Uhr in Marburg.

Die Anschrift der Lokalität (Gasthaus Weinlädele) lautet:
Schloßtreppe 1
35037 Marburg
http://weinlädele.de

Ein zentrales Thema ist die Planung der nächsten Kommissionstagung, die im September 2018 an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz stattfinden wird.

Wenn Sie die Kommission näher kennenlernen möchten, fühlen Sie sich herzlich eingeladen.

Prediger, Charismatiker, Berufene – Rolle und Einfluss religiöser Virtuosen

3. Tagung der dgv-Kommission Religiosität und Spiritualität vom 22. – 24. September 2016 in Bonn, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

Vorläufiger Zeitplan:

Donnerstag, 22.09.2016
Anreise und Ankunft bis 14.00 Uhr

14.00 Uhr: Begrüßung
Eckhard Bolenz, Leiter des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte

Kurze Einführung
Christine Aka (Mainz/Visbeck) und Dagmar Hänel (Bonn)

14.30 Uhr: Berufene und Erwählte – zur Selbstinszenierung religiöser Virtuosen
(Moderation: Eike Lossin)

Selbstvervollkommnung und Gottesgunst: Die pietistischen Ärzte Johann Christian Senckenberg und Johann Konrad Dippel
Vera Faßhauer (Frankfurt a.M.)

Religious field and the relationship between clergy and laity in interwar Slovenia
Ga¹per Mithans (Koper/Slovenia)

Pause

Primiz
Jürgen Bärsch (Eichstätt-Ingolstadt)

Berufen-sein in der Postmoderne
Karoline Oehme-Jüngling (Basel)

Ab 19.00 Uhr
Kleiner Empfang mit Filmprogramm: u.a. Primiz in Hagstädt
LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

 

Freitag, 23.09.2016

9.30 Uhr: Herstellung religiöser Virtuosität – Normativität und Professionalisierung
(Moderation: Katrin Bauer)

Wie Laien zu religiösen Virtuosen gemacht werden. Prozesse der forcierten Ent-Dichotomisierung in der katholischen Kirche
Birgit Huber (Feldkirch/Vorarlberg)

„Was bedarffs viler wort: Predigen ist ein Englisch Werck…“. Die Predigtregeln Georg Scherers SJ als Grundlagen einer Professionalisierung religiösen Virtuosentums im 16. und 17. Jh.
Joachim Werz (Tübingen)

Pause

Isaya Orishi Ole Ntokoti: ein umstrittener Prophet im Massailand
Nicole Wagner (Köln)

Zur narrativen Selbst- und Fremddarstellung religiöser Führungspersönlichkeiten in den USA im 19. u. 20. Jahrhundert
Stefanie Coché (Köln)

Pause

14.30 Uhr:  Inszenierungen: Objekte, Medien
(Moderation: N.N.)

Ästhetik als Argument. Diözesanmuseen im Entstehungskontext (Kulturkampf) und aktueller Neuinszenierung
Jochen Ramming (Würzburg)

Astro-TV – religiöse Virtuosität und Medien
Melanie Denzinger (Mainz)

Pause

16.30 Uhr: Priester und Gemeinde: Soziale Rollen und soziale Praxis religiöser Virtuosität
(Moderation: Christine Aka)

Helmut Gollwitzer – ein Virtuose zwischen Religion und Politik
Benedikt Brunner (Bonn)

Priesterschaft verorten. Zur Rolle klerikaler Akteure in sozialen, kulturellen und symbolischen Praxisfeldern vormoderner Landkirchen.
Jörg Widmaier (Tübingen)

Amoralische Virtuosität. Der altlutherische Pfarrer Martin Stephan und die „Stephanisten“
Sönke Friedreich (Dresden)

Konvertit_innen als religöse Virtuos_innen? Zum Verhältnis von Bekehrung und religöser Werte- und Wissensvermittlung
Christine Bischoff (Hamburg)

Samstag, 24.09.2016

10.00 Uhr: Sitzung der dgv-Kommission Religiosität und Spiritualität

Pause

11.00 Uhr: Spirituelle Praktiken religiöser Virtuosen
(Moderation: Dagmar Hänel)

Wege statt Wurzeln.
Inga Scharf de Silva (Berlin)

Heilen als Berufung? Eine biografische Interpretation unter dem Aspekt der Religiosität
Amelie Strasburger (Mainz)

Widerhall und Anerkennung. Zur Deutung gelebter Spiritualität als Resonanzphänomen am Beispiel gegenwartsschamanischer Gruppenrituale
Mirko Uhlig (Mainz)

Ende der Tagung ca. 14.00 Uhr

Anmeldungen bitte bis 09.09.2016 an:
Dagmar Hänel
dagmar.haenel@lvr.de
oder
Christine Aka
chraka@uni-mainz.de

Programm „Reine Glaubenssache? Neue Zugangsdaten zu religiösen und spirituellen Phänomenen im Prozess der Säkularisierung“

2. Tagung der dgv-Kommission für Religiosität und Spiritualität
Würzburg, Toscana-Saal der Residenz, 25. bis 27. September

Donnerstag, 25. September 2014

12:30
Anmeldung, Möglichkeit zur Stadtführung

14:00
Begrüßung / Grußworte

Sichtbarkeiten und Sehgewohnheiten

14:30
Neue Sichtbarkeiten des Religiösen.
Volkskundlich-kulturanthropologische Perspektiven auf religiöse Felder und  Praktiken der Gegenwart
Christine Bischoff, Hamburg / Karoline Oehme-Jüngling, Basel

15:30
Kaffeepause

16:00
Religion ausstellen – Eine Typologie religiöser Museen
Anja Schöne, Telgte

16:45
Urbane Religionen
Victoria Hegner, Göttingen

19:00
Führung Museum am Dom, Diözese Würzburg

Freitag, 26. September 2014

Theatralität und Inszenierung

9:00
Glaube allein tut’s nicht – Zum italienisch-deutschen Passionsspiel in Bensheim
Diana Dingeldein, Stuttgart

9:45
Das Erbe der Morloks. Historisches Wirken und gegenwärtige Inszenierung einer Heilerdynastie
Anne-Christin Lux, Mainz

10:30 Kaffeepause

Affekte und Emotionen

11:00
Zwischen Mysterium und Banalität – Anmerkungen zu einem anthropogenem Phänomen
Wolfgang Fritzsche, Gustavsburg

11:45
Eine Sache des Zugangs – Kulturwissenschaftliche Ansätze in der Pietismusforschung am Beispiel von Lebensläufen der Herrhuter Brüdergemeine
Stephanie Böß, Bamberg

12:30 Mittagspause, zur individuellen Verfügung

Individuum und Gemeinschaft

13:30
Mit Spiritualität im Rucksack. Pilgerwege als touristische Herausforderung im postkommunistischen Slowenien
Lidija Vindis-Rösler, Graz

14:15
Zu Fuß auf dem Weg nach Maria-Zell: Ethografische Beobachtungen zur körperlichen Praxis des Pilgerns
Barbara Sieferle, Innsbruck

15:00
Das Phänomen Lady Di zwischen medialer Rezeption und identifikatorischer Aneignung
Annika Risse, Würzburg

15:45
Kaffeepause

Tradition und Innovation

16:15
Gott – Körper – Kult – Reform. „Barfüßige Propheten“, fernöstliche Spiritualität und kritische Rationalisierungen – die Antworten auf Säkularisierungsprozesse am Ende des 19. und im 20. Jahrhundert
Constance Hartung, Jena

17:00
Reliquien und moderner Personenkult. Zum Beispiel Wien
Nicole Malina-Urbanz, Wien

18:00
Sitzung der dgv-Kommission Religiosität und Spiritualität

Öffentl. Abendvortrag

20:00
Religion – (k)ein Kinderspiel? Anmerkungen zu Religion – Emotion – Spiel
Christel Köhle-Hezinger, Esslingen/Jena

Samstag, 27. September 2014

Kontakt und Konflikt

9:15
Die empirische Erhebung der alltäglichen Ko-Existenz pluraler Lebensstile in
Einwanderungsgesellschaften: Das Phänomen Konvergenzrituale
Birgit Huber, Innsbruck

10:00
„Das Fremde ist nicht komisch sondern anders.“
Wahrnehmung von und Umgang mit religiöser Differenz in der Schule
Andrea Kreuzer, Bayreuth

10:45
Schuld, Scham, Vergeben. Vergeben in einer læstatianischen Gruppe in Finnland im 20.Jahrhundert
Ulrika Wolf-Knuts, Åbo

11:30
Kaffeepause

Abschlussvortrag

12:00
Tod und Jenseitsvorstellungen seit dem 18. Jahrhundert. Fallstudien aus Kunst, Grab- und Friedhofskultur
Norbert Fischer, Hamburg

Als derzeite Sprecher der Kommission:

Dr. Jochen Ramming
und
Dr. Eike Lossin
Universität Würzburg
Philosophische Fakultät I
Institut für Deutsche Philologie
Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde
Am Hubland
D-97074 Würzburg